Aktualisiert am 21. Oktober 2026 von Redaktion bauanleitung.org
Die Sonnenuhr war der älteste und wichtigste Zeitmesser vor der Erfindung der mechanischen Uhr und schon die Ägypter, die Griechen und die Römer griffen auf Sonnenuhren zurück, um einen Tag in kleinere Zeiteinheiten unterteilen zu können. Im 16. Jahrhundert erlebte der Bau von Sonnenuhren schließlich seine Blütezeit, wobei es hauptsächlich Kompassmacher waren, die Sonnenuhren bauten. Dies liegt daran, dass eine Sonnenuhr nur dann ein zuverlässiger Zeitmesser ist, wenn sie mithilfe eines Kompasses ausgerichtet wird. Seinerzeit waren Sonnenuhren aber auch deshalb unentbehrlich, weil sie ermöglichten, mechanische Uhren auf die richtige Uhrzeit einzustellen. Heute finden sich Sonnenuhren vor allem als dekorative Objekte in Gärten, an Hauswänden oder auf öffentlichen Plätzen. Die scheinbar simple Konstruktion ist jedoch in der praktischen Umsetzung gar nicht so einfach. Möchte der Hobbybastler nämlich eine Sonnenuhr selber bauen, die tatsächlich die richtige Zeit anzeigt und nicht nur ein Dekorationsobjekt ist, muss er dafür in erster Linie rechnen. Zudem gibt es letztlich keine allgemeingültige Bauanleitung für eine Sonnenuhr, denn jede Sonnenuhr muss auf ihren Einsatzort abgestimmt werden. Die folgende Bauanleitung versteht sich daher als grundlegende Bauanleitung, die die wichtigsten Informationen zur Sonnenuhr zusammenfasst und mit der der Hobbybastler eine dekorative Sonnenuhr bauen kann, die die Zeit annähernd richtig darstellt.
Grundlegendes zur Sonnenuhr
Bei einer Sonnenuhr ergibt sich die Zeit durch die Sonne und den Schatten, der auf die Uhr fällt. Dies ist möglich, weil sich die Erde an einem Tag einmal um sich selbst dreht und sich dadurch auch die Position der Sonne verändert. Durch diese Positionswechsel ändern sich auch die Länge und die Position des Schattens, der die Zeit auf der Sonnenuhr anzeigt. Da sich die Erde in 24 Stunden einmal um 360° dreht, bewegt sich die Sonne scheinbar pro Stunde um 15° weiter. Die Erdachse ist gegenüber der Bahn um die Sonne geneigt, was für die Sonnenuhr bedeutet, dass der Zeiger als Schattenwerfer parallel zur Erdachse geneigt sein muss. Damit die richtige Uhrzeit angezeigt wird, muss der Zeiger der Sonnenuhr in der Nord-Süd-Ebene liegen und gegenüber der Horizontalen in dem Winkel geneigt sein, der der geographischen Breite des jeweiligen Standortes entspricht. Um eine exakt funktionierende Sonnenuhr zu bauen, sind außerdem weitere Daten notwendig, denn es kommt ansonsten zu Abweichungen, die sich in Abhängigkeit vom Datum und daraus ergeben, wann die Sonne am jeweiligen Standort ihren höchsten Stand erreicht.
Bauanleitung für eine Sonnenuhr
Die Sonnenuhr in dieser Bauanleitung versteht sich weniger als exakter Zeitmesser, sondern in erster Linie als dekoratives Element. Daher wird nur mit ungefähren Werten gearbeitet, wobei die exakten Werte aus entsprechenden Tabellen von beispielsweise Sternwarten entnommen werden können.
Die Materialien
Für die Sonnenuhr werden eine Platte und ein Zeiger benötigt. Aus welchen Materialien die Sonnenuhr gebaut wird, bleibt dabei dem eigenen Geschmack überlassen. Für eine sehr einfache Variante reicht ein Stück Karton völlig aus, für eine dekorative Variante für den Außenbereich können eine Fliese oder eine Holz- oder Steinplatte als Grundplatte und beispielsweise ein Messingstab als Zeiger verwendet werden. Daneben ist auch ein Zeiger in Form eines auf der langen Seite aufrecht stehenden Dreiecks denkbar.
Als Hilfsmittel werden eine Bohrmaschine, ein Geodreieck oder ein Winkelmesser, ein Bleistift sowie ein Kompass benötigt. Außerdem kommen Dekorations- und Zierobjekte nach eigenem Wunsch und Geschmack zum Einsatz, beispielsweise Zahlen zum Aufkleben, Steine oder bunte Farben. Möglich ist daneben auch, die Uhrzeiten in eine Holzplatte zu fräsen oder in eine Steinplatte zu meißeln.
Das Zifferblatt
Zuerst wird jetzt das Zifferblatt angefertigt. Dazu werden der Längen- und der Breitengrad des Standortes benötigt. Diese Angaben finden sich beispielsweise auf Landkarten, wobei der Längengrad oben oder unten angegeben ist und in Deutschland zwischen 6° und 15° liegt. Der Breitengrad steht seitlich und liegt zwischen 47° und 55°.
Auf die Platte werden nun zuerst die Nord-Süd- und die Ost-West-Linie eingezeichnet. Diese Linien verlaufen gerade und müssen sich in der Mitte im rechten Winkel kreuzen. Anschließend wird der Versatz berechnet, der immer 15° minus den Längengrad beträgt. Liegt der Ort beispielsweise auf 12° östlicher Länge, ergibt sich ein Versatz von 3°. Mit diesem Versatz wird nun die Bezugslinie zur Ost-West-Linie eingezeichnet. Die Bezugslinie stellt die 6- und 18-Uhr-Linie dar und ist gleichzeitig der Ausgangspunkt für alle weiteren Linien.

Ausgehend von der Bezugslinie werden nun auch die übrigen Stundenlinien eingezeichnet. Die folgende Tabelle zeigt dabei ungefähre Mittelwerte für eine waagerechte Sonnenuhr auf etwa 51° nördlicher Breite an.
| Uhrzeit (Winter / Sommer) | Winkel zur Bezugslinie |
| 5 / 6 | -19 |
| 6 / 7 | 0 |
| 7 / 8 | 19 |
| 8 / 9 | 36 |
| 9 / 10 | 51 |
| 10 / 11 | 66 |
| 11 / 12 | 78 |
| 12 / 13 | 90 |
| 13 / 14 | 101 |
| 14 / 15 | 113 |
| 15 / 16 | 128 |
| 16 / 17 | 143 |
| 17 / 18 | 160 |
| 18 / 19 | 180 |
| 19 / 20 | 199 |
| 20 / 21 | 216 |
Der Zeiger
Jetzt wird der Zeiger montiert. Dieser muss exakt auf der Nord-Süd-Linie liegen und in dem Winkel geneigt sein, der dem Breitengrad entspricht.

Das Ausrichten
Mithilfe eines Kompasses muss die Sonnenuhr nun in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet werden. Dabei ist zu beachten, dass die Kompassnadel nach magnetisch Nord zeigt; die Abweichung zur geographischen Nordrichtung (Missweisung) beträgt in Deutschland derzeit wenige Grad nach Osten und sollte berücksichtigt werden. Anhand der Schattenlinien kann dann abgelesen werden, wie spät es ist.
Eine andere Methode, um die richtigen Positionen für die Uhrzeiten herauszufinden, besteht übrigens darin, die Schattenlinien anhand der Armbanduhr zu verfolgen und anzuzeichnen. Dies ist zwar eine sehr sichere, aber dafür auch recht umständliche Methode.
Thema: Sonnenuhr Bauanleitung
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was brauche ich für den Bau einer Sonnenuhr?
Du brauchst eine Grundplatte und einen Zeiger. Für eine einfache Variante reicht Karton, für draußen eignen sich eine Fliese, eine Holz- oder Steinplatte und zum Beispiel ein Messingstab als Zeiger. Als Hilfsmittel dienen Bohrmaschine, Geodreieck oder Winkelmesser, Bleistift und Kompass.
Welche Angaben zum Standort brauche ich?
Du brauchst den Längen- und den Breitengrad deines Standortes. In Deutschland liegt der Längengrad zwischen 6° und 15° Ost, der Breitengrad zwischen 47° und 55° Nord. Aus dem Längengrad ergibt sich der Versatz der Bezugslinie (15° minus Längengrad).
Wie muss der Zeiger ausgerichtet sein?
Der Zeiger liegt genau in Nord-Süd-Richtung und ist gegenüber der Waagerechten um den Winkel der geographischen Breite geneigt, also parallel zur Erdachse. Beim Ausrichten mit dem Kompass musst du die Missweisung zwischen magnetisch und geographisch Nord berücksichtigen.
Zeigt die selbst gebaute Sonnenuhr die genaue Uhrzeit?
Nur annähernd. Die Tabellenwerte sind Mittelwerte für eine waagerechte Sonnenuhr auf etwa 51° nördlicher Breite, und je nach Datum kommt es zu Abweichungen. Genauer, aber aufwendiger ist es, die Schattenlinien nach einer Uhr anzuzeichnen.
Warum nennt die Tabelle Winter- und Sommerzeit?
Die Sonnenuhr zeigt die Sonnenzeit an. Während der Sommerzeit gehen die Uhren eine Stunde vor, deshalb gehören zu jeder Stundenlinie zwei Uhrzeiten.
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