Barrierefreies Bad: Infos und Tipps für den Umbau

Aktualisiert am von Ömer Bekar

Infos zu barrierefreies Bad
Ein barrierefreies Bad bietet Komfort, von dem alle Bewohner profitieren.

Wenn von einem barrierefreien Badezimmer die Rede ist, denken viele Menschen im ersten Moment an ein nüchternes, funktionales und steriles Bad mit Pflegeheim-Atmosphäre. Doch oft ist genau das Gegenteil der Fall. Ein barrierefreies Bad lässt einen modernen Bereich entstehen, der durch die großzügigen Flächen einen Hauch von Luxus und Wellness mit sich bringt. Und in dem Raum fühlen sich nicht nur Menschen mit Handicap sicher. Vielmehr halten sich alle Bewohner gerne darin auf. Nur: Wann ist ein Bad überhaupt barrierefrei? Welche Elemente muss es haben? Welche Vorgaben müssen erfüllt sein? Und lässt sich der Umbau auch alleine bewerkstelligen? Wir geben Infos und Tipps!

Ein barrierefreies Bad ist keineswegs ein Thema, das nur Kranke oder Senioren betrifft. Auch junge und gesunde Leute denken immer öfter daran, ihr Badezimmer von Anfang an barrierefrei einzurichten oder umzubauen. Denn ein barrierefreies, altersgerechtes Badezimmer steht in erster Linie für Wohnkomfort.

Großzügige Flächen und moderne Einrichtungsgegenstände schaffen eine tolle Wohlfühloase. Gleichzeitig bleibt das Bad bis ins hohe Alter nutzbar und kann später einmal dafür sorgen, dass kein Umzug ins Pflegeheim notwendig wird.

Wenn ein Angehöriger zum Pflegefall wird, bietet ein barrierefreies Bad Entlastung für alle Beteiligten. Der Betroffene kann sich nämlich sicher in dem Bad bewegen und den einen oder anderen Handgriff selbst erledigen. Der Pflegende wiederum hat es durch die Bewegungsflächen und verschiedene Hilfsmittel wesentlich leichter.

Bleibt aber die Frage, wie aus einem normalen Badezimmer ein barrierefreies Bad wird. Wir haben Infos zu den Regeln und den Normen, die für Barrierefreiheit gelten. Und wir geben Tipps von der Planung bis zur Finanzierung.

Ein barrierefreies Bad mit Wanne oder Dusche

In vielen Fällen ist ein Badezimmer zu klein, um darin eine Badewanne und eine Dusche mit den notwendigen Bewegungsflächen unterzubringen. Ältere Menschen und Personen mit einer körperlichen Einschränkung empfinden das Baden in der Wanne aber ohnehin oft schwieriger als das Duschen. Denn das Hineinsteigen und Herausklettern ist nicht so einfach und ohne fremde Hilfe nicht immer möglich.

Aus diesem Grund wird bei einem Umbau oft die Badewanne entfernt und durch eine bodengleiche Dusche ersetzt. Neben dem schwellenlosen Einstieg sorgt ein rutschhemmender Bodenbelag für Sicherheit. Ein Duschsitz oder ein Duschstuhl erhöhen den Komfort.

Andererseits ist es nicht unbedingt notwendig, auf die Badewanne zu verzichten. Sie können sich nämlich auch für eine sogenannte Duschbadewanne entscheiden. Das ist ein Einrichtungsgegenstand, der Dusche und Badewanne in einem ist. Dabei hat eine Duschbadewanne eine Tür, die den Einsteig erleichtert. In der Wanne können Sie dann ganz nach Wunsch entweder stehenbleiben und duschen oder sich hinsetzen und ein Bad nehmen.

Eine andere Möglichkeit ist eine seniorengerechte Sitzbadewanne. Sie verfügt ebenfalls über eine Tür für einen bequemen Einstieg. Gleichzeitig ist sie meist etwas größer und durch die integrierte Sitzgelegenheit komfortabler als eine Duschbadewanne.

Ein barrierefreier Umbau ist manchmal nicht möglich

Eine Dusche lässt sich nicht immer altersgerecht umbauen. Denn in einem Altbau ist die Zwischendecke mitunter zu dünn, um die Duschwanne in den Fußboden einzulassen. Um sie bodeneben einzubauen, müsste die Decke im Stockwerk darunter ein Stück abgehängt werden. Doch solche Umbaumaßnahmen sind einerseits aufwändig und erfordern andererseits die Zustimmung des Eigentümers und des Bewohners.

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Als weitere Schwierigkeit kann dazukommen, dass der Platz nicht ausreicht, um das Mindestgefälle der Abwasserleitung sicherzustellen. Abhilfe kann dann ein sogenanntes Pumpwerk schaffen. Es sorgt dafür, dass das Wasser trotzdem abläuft. Das Pumpwerk sitzt in einem flachen Kasten, der meist an der Wand direkt neben der Dusche montiert wird.

Können oder wollen Sie die vorhandene Badewanne nicht durch eine Dusche ersetzen, kann ein Badewannenlift die Wanne zur barrierefreien Badewanne machen. Auch ein aufblasbares Badewannenkissen kann eine gute Lösung sein.

Ein barrierefreies Waschbecken im Bad

Anders als die Wanne oder die Dusche lässt sich der Waschtisch oft schon mit wenigen Handgriffen barrierefrei umbauen:

  • Die Luxusvariante ist ein höhenverstellbarer Waschtisch. Ihn können alle Bewohner uneingeschränkt nutzen, egal ob Kind oder Erwachsener und ob Rollstuhlfahrer oder nicht.
  • Auch ein normales Waschbecken erfüllt sein Zweck. Gut ist, wenn es auf einer Höhe zwischen 80 und 85 cm montiert ist. Damit ein unterfahrbarer Waschtisch gegeben ist, sollte auf einen Unterbauschrank verzichtet werden.
  • Der Siphon kann heiß werden und so zur Gefahr für die Knie werden. Besser ist deshalb ein Unterputzsiphon. Die kostengünstigere Alternative ist ein Flachaufputzsiphon.
  • Ablageflächen um das Waschbecken herum ermöglichen, den Seifenspender, die Zahnbürste und andere Utensilien bequem zu erreichen.
  • Der Spiegel sollte so tief angebracht sein, dass Sie sich auch dann gut darin sehen, wenn Sie sitzen.
  • Die Armatur sollte leicht zu bedienen sein. Gute Dienste leistet ein Einhebelmischer, der mit einer Temperaturbegrenzung ausgestattet ist und so Verbrühungen verhindert. Auch berührungslose Armaturen sind in einem barrierefreien Bad empfehlenswert. Ein integrierter Brauseschlauch ist zum Beispiel beim Waschen der Haare nützlich und hilfreich.
Tipp: Sie können ganz einfach ausprobieren, ob Ihr Waschbecken schon barrierefrei ist oder was Sie ändern müssten. Stellen Sie dazu einen Stuhl vor Ihr Waschbecken und setzen Sie sich hin. Können Sie die Armatur gut erreichen? Kommen Sie an alle Gegenstände? Stoßen Sie mit Ihren Knien an den Siphon? Können Sie sich im Spiegel sehen?

Die Toilette behindertengerecht gestalten

Im Bereich um die Toilette herum ist ausreichend Bewegungsfreiraum besonders wichtig. Der Platz sollte zumindest ausreichen, um rechts und links neben dem WC Stützgriffe anzubringen. Dabei müssen es aber nicht unbedingt feste Griffe sein. Auch Stützgriffe, die weggeklappt werden können, leisten gute Dienste.

Was die Sitzhöhe angeht, so sind 46 bis 48 cm optimal. Denn die normale Einbauhöhe von 42 cm kann für eine Person mit Bewegungseinschränkungen zu niedrig sein. Mitunter kann sie sich dann nicht mehr sicher hinsetzen und ohne Schmerzen aufstehen.

Vor allem wenn mehrere Personen in der Wohnung leben und die Toilette benutzen, ist ein höhenverstellbares WC eine komfortable Lösung. So eine Toilette ist mit einem Motor ausgestattet, der die WC-Schüssel auf Knopfdruck um mehrere Zentimeter nach oben oder unten fährt.

Ein Dusch-WC kann ebenfalls eine sinnvolle Anschaffung sein. Bei einem Dusch-WC ist eine kleine Dusche in die WC-Schüssel integriert, die den Intimbereich säubert. Anschließend strömt warme Luft heraus, die alles abtrocknet. Ein Pflegebedürftiger kann so vielleicht wieder alleine auf die Toilette gehen und erhält dadurch ein Stück Lebensqualität und Würde zurück.

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Eine herkömmliche Toilette kann durch einen Aufsatz zum Nachrüsten zum Dusch-WC werden. Voraussetzung für die Montage ist lediglich, dass ein Wasser- und ein Stromanschluss vorhanden sind, an die der Aufsatz angeschlossen werden kann.

Ein barrierefreies Bad planen

Grafik zu barrierefreies Bad
Auch eine kleine Grundfläche kann ausreichen, um ein barrierefreies und sogar rollstuhlgerechtes Bad einzurichten.

Wenn Sie ein barrierefreies Bad planen, gilt zunächst einmal: Bemessen Sie den Bewegungsfreiraum so großzügig wie möglich.

Selbst in einem kleinen Badezimmer können Sie viel Bewegungsfläche gewinnen, wenn Sie die Sanitärelemente geschickt auswählen und anordnen. Für ein rollstuhlgerechtes Badezimmer beispielsweise genügen schon weniger als sechs Quadratmeter Grundfläche. Aber natürlich wird der Komfort umso höher, je mehr Platz zur Verfügung steht.

Um die notwendigen Räume zu schaffen, können Sie auf einen Trick zurückgreifen, den auch Architekten anwenden: Ordnen Sie das Waschbecken, die Toilette und die Dusche oder Badewanne so an, dass sich die Bewegungsflächen überlagern.

Dabei kann auch eine bodengleiche Dusche zur Bewegungsfläche werden. Nämlich dann, wenn sich die Tür zur Wand hin wegklappen lässt. In diesem Fall kann ein Rollstuhlfahrer die Duschfläche nutzen, um zu wenden.

Wie viel Platz an welchen Stellen vorhanden sein sollte, ergibt sich aus der DIN 18040-2. In einem Privathaushalt müssen Sie die Vorgaben aus der DIN-Norm aber nicht unbedingt einhalten. Oft ist das auch weder möglich noch sinnvoll. Sie können und sollten stattdessen in Ihrem Einzelfall entscheiden, welche Abmessungen Ihrem Bedarf gerecht werden.

Ansonsten sollten Sie mit Blick auf ein barrierefreies Bad an folgende grundlegende Punkte denken:

  • Legen Sie einen Grundriss an, der möglichst große Bewegungsflächen zwischen den Sanitärobjekten bietet.
  • Bauen Sie Schiebetüren oder Drehtüren ein, die sich nach außen öffnen lassen.
  • Verzichten Sie auf Schwellen an Türen und Einstiegen.
  • Planen Sie Halte- und Stützgriffe ein.
  • Wählen Sie kontrastreiche Farben und Materialien. Wenn die Sehkraft nachlässt, bleibt dadurch vieles besser erkennbar.
  • Achten Sie auf eine gute Beleuchtung, die hell ist, aber nicht blendet.

Die Vorgaben für ein barrierefreies Bad nach der DIN-Norm

Wie schon kurz erwähnt, gibt die DIN 18040-2 die Maße vor, die ein barrierefreies Bad mindestens aufweisen sollte. Die wichtigsten Punkte daraus haben wir in der folgenden Tabelle für Sie zusammengefasst.

barrierefreirollstuhlgerecht

Bewegungsflächen

120 x 120 cm vor der Toilette, dem Waschbecken. der Badewanne und in der Dusche

150 x 150 cm vor der Toilette, dem Waschbecken. der Badewanne und in der Dusche

Tür

80 cm breiter Durchgang90 cm breiter Durchgang
Toilette20 cm Abstand zur Wand oder zu anderen Sanitärobjekten

90 cm Bewegungsfläche auf einer Seite, 30 cm Abstand zur Wand oder zu anderen Sanitärobjekten auf der anderen Seite

Sitzhöhe 46 bis 48 cm

Waschbecken

Freiraum für die Beine unter dem Waschtisch
  • 90 cm breiter und 55 cm tiefer Beinfreiraum

  • 67 cm unterfahrbar
  • höchstens 80 cm hoch
  • 30 cm Freiraum für die Knie in der Tiefe

Armatur

höchstens 40 cm von der Vorderkante des Waschbeckens entfernt

Ein Bad barrierefrei umbauen

Wenn Sie Ihr Badezimmer renovieren und bei dieser Gelegenheit auch gleich altersgerecht umbauen, sollten Sie vorausschauend planen. Denn es wäre schade, wenn Sie kurze Zeit später wieder von vorne anfangen müssten.

Gehen Sie generell lieber zu großzügig als zu eng vor. Die Vorgaben aus der DIN-Norm liefern Ihnen dabei nützliche Anhaltspunkte.

Ein Beispiel: Montieren Sie die neue Toilette so, dass zu einer Seite hin mindestens 90 cm frei bleiben. Wenn Sie jung und gesund sind oder Ihr Bad recht klein ist, mag Ihnen das im ersten Moment vielleicht wie verschwendeter Platz vorkommen. Aber Sie können die Fläche zunächst nutzen, um dort die Waschmaschine oder einen Badezimmerschrank aufzustellen.

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Sollte später ein Familienmitglied auf den Rollstuhl angewiesen sein, ersparen Sie sich einen neuen Umbau. Denn die Fläche genügt, damit ein Rollstuhlfahrer die Toilette seitlich anfahren kann. Und auch wenn Sie einen Pflegebedürftigen zur Toilette begleiten und ihm beim Umsetzen helfen müssen, werden Sie jeden Zentimeter verfügbaren Bewegungsraum zu schätzen wissen.

Auch was die Tragfähigkeit der Wände angeht, können Sie Vorkehrungen treffen. So können Sie bei Zwischenwänden, die nicht stabil genug sind, Vorwandinstallationen und Verkleidungsplatten montieren, bevor Sie das Bad frisch fliesen. Später können Sie dadurch jederzeit Stütz- und Haltegriffe anbringen, wenn Bedarf besteht.

Tipp: Der gemeinnützige Verein Barrierefrei Leben e.V. bietet auf seiner Internetseite einen 3-D-Planer an. Dort können Sie den Grundriss Ihres Badezimmers anlegen und verschiedene Varianten für ein barrierefreies Bad mit unterschiedlichen Sanitärobjekten ausprobieren.

Die Kosten für ein barrierefreies Bad und mögliche Zuschüsse für einen altersgerechten Umbau

Barrierefreies Bauen oder Umbauen hat seinen Preis. Wie hoch die Kosten werden, hängt natürlich davon, wie umfangreich die Maßnahmen sind.

Installieren Sie nur ein paar Haltegriffe und einen Badewannenlift, kommen Sie mit ein paar hundert Euro hin. Wollen Sie hingegen ein barrierefreies Bad einrichten, bei dem Sie mit der Änderung des Grundrisses beginnen und die komplette Ausstattung erneuern, müssen Sie mehrere tausend Euro investieren.

Tipp: Holen Sie sich mehrere Angebote von Handwerkern ein und vergleichen Sie die Preise. Achten Sie aber darauf, dass die Posten möglichst genau beschrieben sind. Denn nur so können Sie richtig vergleichen.

Bezeichnungen wie zum Beispiel „barrierefreies WC“ bringen Ihnen nicht viel. Denn eine normale Toilette, die an der Wand hängt, kann barrierefrei montiert werden und kostet ab etwa 300 Euro. Im Unterschied dazu fängt eine elektrisch verstellbare Toilette bei rund 2.500 Euro an.

Die Kosten für ein barrierefreies Bad müssen Sie aber nicht komplett alleine stemmen. Denn je nach Situation können Sie Zuschüsse und Förderungen erhalten. Dabei gibt es vor allem drei wichtige Ansprechpartner:

Förderung und Kredit von der KfW-Bank

Der Bund, die Länder und die Kommunen haben verschiedene Förderprogramme, mit denen Sie barrierefreies Bauen unterstützen. Einzelne Umbaumaßnahmen für ein barrierefreies Bad bezuschusst die KfW-Förderbank zum Beispiel mit bis zu 6.250 Euro. Zusätzlich dazu vergibt die KfW-Bank kostengünstige Kredite für einen barrierefreien Umbau.

Aber Vorsicht: Damit die Förderung gewährt wird, müssen Sie in aller Regel die Vorgaben aus der DIN-Norm einhalten. Weichen Sie von den vorgegebenen Mindestmaßen ab, kann Ihr Antrag abgelehnt werden.

Zuschuss von der Pflegeversicherung

Haben Sie selbst oder ein Angehöriger Ihres Haushalts einen Pflegegrad, können Sie sich an Ihre Pflegeversicherung wenden. Die Pflegekasse vergibt auf Antrag bis zu 4.000 Euro Zuschuss für den Umbau in ein barrierefreies Bad. Dabei kann die Unterstützung auch dann erfolgen, wenn Sie die Mindestmaße der DIN-Norm nicht einhalten.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Bei bestimmten Anschaffungen für ein barrierefreies Bad übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Voraussetzung dafür ist zum einen, dass es sich um ein anerkanntes Hilfsmittel wie zum Beispiel eine Erhöhung des WC-Sitzes, Stützklappgriffe oder einen Badenwannenlift handelt. Zum anderen muss ein Arzt Ihnen oder der pflegebedürftigen Person in Ihrem Haushalt das Hilfsmittel verordnet haben.