Aktualisiert am 5. April 2026 von Ömer Bekar
Bei einer Marionette handelt es sich um eine Gliederpuppe, an deren Glieder Fäden befestigt sind. Die Fäden wiederum sind an einem sogenannten Spielkreuz befestigt, das der Marionettenspieler in seiner Hand hält und durch das er die Fäden und damit die Marionette bewegen kann. Früher wurden Marionetten nahezu ausschließlich aus Holz angefertigt, heute werden Marionetten je nach Thema auch aus anderen Materialien wie beispielsweise Schaumstoff oder Pappmaschee hergestellt.
Marionetten sind Kunsthandwerk ohne gesetzliche Norm (außer EN 71-1 bei Kinderspielzeug). Traditionelle Marionettenbauweise: Lindenkern oder Bastelholz für Körper (gut schnitzbar), Gelenke aus Lederstreifen (flexibel, haltbar) oder Schraubenösen mit Karabinern. Faden: Nylonfaden 0,5–0,8 mm (30 kg Bruchlast) für dauerhaften Betrieb. Steuerkreuz: Buchenholz.
Im Unterschied zu einer Handpuppe kann eine Marionette ihren ganzen Körper bewegen, der Marionettenspieler kann also auch die Füße der Marionette steuern. Allerdings sind den Bewegungsmöglichkeiten trotzdem Grenzen gesetzt. Da eine Marionette bei ihren Bewegungen der Schwerkraft und den Pendelgesetzen unterliegt, sind direkte Handlungen wie beispielsweise innige Umarmungen oder Greifbewegungen eigentlich nicht möglich. Es gibt zwar mittlerweile Marionetten, die eigens für solche Bewegungsabläufe entwickelt wurden, allerdings hat dies dann mit dem ursprünglichen Marionettenspiel nicht mehr viel gemeinsam.
Wenn eine Marionette zum Leben erwacht, sieht dies beispielsweise so aus:
https://www.youtube.com/watch?v=WVewC77Moso
Eine solche Marionette zu bauen und später auch zu spielen, ist recht schwierig und setzt einiges an Wissen und Können voraus. Allerdings kann sich der Hobbybastler durchaus eine einfache Marionette selber bauen. Die in der folgenden Bauanleitung beschriebene Marionette ist auch für kleine Kinder geeignet und bietet sich hervorragend an, um das Marionettenspiel zu lernen und zu üben.
Materialliste für die Marionette
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1 Styroporkugel mit 6cm Durchmesser - 1 Stück Stoff, 80cm x 80cm groß
- Wollreste, die farblich zum Stoff passen
- 2 Holzperlen mit 2cm Durchmesser
- Filzreste, Knöpfe, Wackelaugen oder 2 kleine Perlen als Augen
- Drachenschnur
- 2 Rundstäbe mit 1cm Durchmesser, jeweils 25cm lang
Die Marionetten Bauanleitung
1. Schritt: den Körper der Marionette bauen
Zuerst wird der Körper der Marionette angefertigt. Dazu wird der Stoff mit der Rückseite nach oben ausgebreitet und die Styroporkugel genau in die Mitte des Stoffes gelegt. Dann wird der Stoff zusammengefasst und sehr fest und möglichst nah unter der Kugel mit Schnur zusammengebunden.
Anschließend wird der Stoff auseinandergezogen. Die beiden oberen Ecken ergeben die Arme der Marionette. Deshalb werden hier die beiden Holzperlen aufgefädelt, wer möchte, kann sie mit etwas Klebstoff fixieren.

2. Schritt: die Fäden einarbeiten und das Spielkreuz anfertigen
Jetzt erhält die Marionette ihre Fäden, damit sie auch bewegt werden kann. Dazu wird zunächst ein etwa 20cm langes Stück Drachenschnur auf eine Nadel aufgefädelt. Dann wird die Nadel durch den Stoff auf dem Kopf der Marionette geführt, wobei der Faden möglichst in der Mitte des Kopfes platziert werden sollte. Außerdem werden zwei etwa 30cm lange Fadenstücke als Fäden für die Arme benötigt. Hier werden die Fäden jeweils durch die Stoffecken unmittelbar neben den Holzperlen geführt.
Die Fäden werden dann an den beiden Rundstäben angeknotet. Der Kopffaden wird mittig auf einem Rundstab fixiert, die beiden Armfäden jeweils rechts und links auf dem anderen Rundstab. Zum Spielen der Marionette werden die beiden Rundstäbe dann über Kreuz übereinander gehalten, wobei der Stab mit dem Kopffaden in Längsrichtung und der Stab mit den Armfäden parallel zur Marionette gehalten wird.

3. Schritt: die Marionette gestalten
Die Marionette ist jetzt schon fast fertig. Allerdings fehlen noch ihr Gesicht und ihre Haare. Das Gesicht kann entweder auf den Stoff aufgemalt oder mit Filz, Perlen oder anderen Dekorationsobjekten gestaltet werden. Als Haare können Wollreste aufgeklebt und zu einer schönen Frisur geformt werden, möglich sind daneben aber auch Haare aus Stroh oder ein selbstgebastelter Hut als Kopfbedeckung.
Thema: Marionetten Bauanleitung
Häufige Fragen & Antworten (FAQ)
Welche Materialien brauche ich für eine Marionette?
Körperteile: Linde oder Pappel (40 mm Vierkantholz), schnitzbar. Gelenke: Lederstreifen (2 mm stark) oder Karabiner + Schraubenösen. Faden: Nylonfaden 0,5 mm. Steuerkreuz: Buchenleiste 20×10 mm. Dekoration: Acrylfarben (EN 71-3), Textilreste für Kostüm.
Wie sind die Proportionen einer Marionette?
Tradition: Kopf = 1/7 der Gesamtlänge. Gesamtgröße: 30–50 cm. Oberkörper = 3/7, Beine = 3/7. Hände: 3–4 cm. Füße: 4–5 cm (Gewicht in den Füßen → natürliches Pendeln). Gelenke: Hüfte, Knie, Schulter, Ellbogen – mind. 5 Gelenke für natürliche Bewegung.
Wie baue ich ein Steuerkreuz für Marionetten?
X-Kreuz: 2 Leisten (20 cm + 15 cm), kreuzweise verbunden (Zapfenverbindung). Zentraler Faden: Kopf. Querleiste vorn: Schultern. Querleiste hinten: Hände/Arme. Unterstock: Knie/Beine (separat für Laufbewegungen). Fäden mit Anglerknoten fixieren.
Wie lange sollten die Marionettenfäden sein?
Spielhöhe über Bühne: 60–80 cm Puppengröße + 40–60 cm Fadenlänge + Arm des Spielers. Total: Spieler-Schulter bis Bühne = ca. 150–180 cm. Kürzere Fäden: präzisere Kontrolle. Längere Fäden: weichere Bewegungen.
Wie schnitze ich einen Marionettenkopf?
Linde (weich): Messer + Stechbeitel. Grobform: Raspel (Surform). Augen: eingestemmt oder aufgemalt. Lackierung: Acrylfarbe + EN 71-3-Klarlack. Haare: Schafwolle oder Sisal aufkleben. Tipp: Kopf leicht übergroß (1:6 Verhältnis) → bessere Sichtbarkeit auf Bühne.
Was kostet eine Marionette Eigenbau?
Holzmaterial (Linde, 0,1 m³): ca. 5–15 €. Nylonfaden, Karabiner, Ösen: 5 €. Kostüm-Textilien: 5–10 €. Acrylfarben: 5 €. Gesamt: 20–35 €. Kaufmarionetten (Qualität): 30–150 €. DIY: einzigartige Figur, handwerkliche Erfahrung.