Aktualisiert am 5. April 2026 von Ömer Bekar
Eine Lochkamera ist ein sehr einfach konstruiertes Gerät zum Erzeugen von optischen Abbildungen. Dabei arbeitet eine Lochkamera jedoch nicht mit einer optischen Linse, sondern nur mit einer dunklen Zelle, die an der Frontwand mit einer kleinen, verschließbaren Öffnung ausgestattet ist. Auf der gegenüberliegenden Innenseite entsteht ein Bild, das auf lichtempfindlichem Material wie beispielsweise Fotopapier festgehalten werden kann. Das Prinzip, nach der eine Lochkamera arbeitet, besteht darin, dass leuchtende oder beleuchtete Gegenstände abgebildet werden, indem die Lochblende fast alle Lichtstrahlen ausgeblendet. Nur ein möglichst kleines Bündel von Lichtstrahlen zwischen dem Objekt und dem Bild bleibt erhalten, wobei der Durchmesser der Blende über die Bildschärfe entscheidet.
Lochkameras (Camera Obscura) sind das physikalische Grundprinzip aller Fotoapparate: Loch projiziert Bild umgekehrt auf Projektionsfläche. Lochgröße optimal nach Rayleigh-Formel: d = 1,9 × √(f × λ), mit f = Kameraabstand, λ = 550 nm (Grünlicht). Für 10 cm Tiefe: ideale Lochgröße ca. 0,35 mm. Belichtungszeit Tageslicht: 1–10 Sekunden je nach Lichtintensität.
Materialliste für eine Lochkamera
Wer eine einfache Lochkamera selber bauen möchte, benötigt hierfür nur wenige Materialien, nämlich
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2 Papprollen, die ineinandergeschoben werden können und dabei möglichst fest miteinander abschließen sollten. Die Rohre können dabei auch aus festem Tonkarton selbst gebaut werden. Noch effektiver wird die Kamera, wenn die Rollen an den Innenseiten geschwärzt werden. - 1 Bogen schwarzer Tonkarton
- 1 Blatt Pergamentpapier
- normales Papier
- Klebstoff, Schere, Nagel
Bauanleitung für die Lochkamera
1. Schritt: das Außenrohr und das Innenrohr bauen
a.) Aus dem schwarzen Tonkarton wird eine runde Scheibe ausgeschnitten, die exakt dem Durchmesser der Rolle entspricht. Diese Scheibe wird dann auf normales Papier aufgeklebt. Aus der Scheibe wird nun ein Loch ausgeschnitten, das etwas kleiner ausfällt, als ein Drittel des Rollendurchmessers. Bei einer Rolle mit einem Durchmesser von beispielsweise 9cm, würde ein Kreis mit einem Durchmesser von etwa 2,5cm ausgeschnitten werden. Dann wird das Papier ringsum bis zu der Kreisscheibe eingeschnitten und nach oben gefaltet. Abschließend wird der Papierrand mit Kleber bestrichen und das Rohr auf die Scheibe gestellt. Durch den Papierrand kann die Scheibe nun lichtdicht mit der Rolle verbunden werden.
b.) Das Innenrohr, das später möglichst eng in das Außenrohr geschoben werden muss, wird nun ebenfalls auf einer Seite zugeklebt. Dazu wird die Rolle auf das Pergamentpapier gestellt und der Durchmesser mit einem Bleistift übertragen. Dann wird das Pergamentpapier mit einem Rand ausgeschnitten, der Rand wiederum eingeschnitten und auf der Rolle verklebt. Zusammengeschoben sind die Lochkamera jetzt so aus:

2. Schritt: den Blendenhalter und die Lochblenden bauen
Nun wird zuerst ein Halter für die Lochblenden angefertigt. Dazu wird ein Halbkreis aus Tonkarton ausgeschnitten, der der Größe der gelochten Scheibe entspricht und mit einer Aussparung im Bereich des Loches versehen ist. Dieser Halbkreis wird nun am Rand mit etwas Klebstoff versehen und vor der Scheibe befestigt. Die Lochblenden werden ebenfalls aus dem schwarzen Tonkarton ausgeschnitten. Auch hierfür werden Kreise gearbeitet, die dem Durchmesser der Scheibe entsprechen. Mithilfe eines Nagels werden die Lochblenden dann mit jeweils einem Loch versehen. Um unterschiedliche Objekte fotografieren zu können, bietet es sich an, ein Loch mit einem Durchmesser von 1mm und ein Loch mit einem Durchmesser von 4mm zu arbeiten.

https://www.youtube.com/watch?v=sTufS1BYatI
Eine andere Variante für eine einfache Lochkamera Marke Eigenbau zeigt dieses Video oben.
Thema: Lochkamera Bauanleitung
Häufige Fragen & Antworten (FAQ)
Was ist eine Lochkamera und wie funktioniert sie?
Eine winzige Öffnung (0,3–0,5 mm) lässt Lichtstrahlen geradlinig durch und projiziert ein umgekehrtes, seitenverkehrtes Bild auf die Rückwand. Funktionsprinzip: jeder Punkt des Motivs sendet Licht durch das Loch auf genau einen Punkt der Bildebene (geometrische Optik).
Welche Lochgröße ist optimal für meine Lochkamera?
Rayleigh-Formel: d = 1,9 × √(f × 0,00055 mm). Für 10 cm Kameraabstand: d ≈ 0,35 mm. Zu klein: Beugungsunschärfe. Zu groß: geometrische Unschärfe. Einstecknadelspitze auf Alufolie ergibt ca. 0,3–0,4 mm – ideal für 8–15 cm Tiefe.
Welche Materialien brauche ich für eine Lochkamera?
Schwarze Schachtel (mind. 15×10×10 cm), Alufolie, Nadel (0,3 mm), schwarzes Klebeband, Fotopapier (Barytpapier 18×24 cm) oder Wachspapier als Mattscheibe. Für echte Fotos: Fotochemikalien (Entwickler, Fixierer).
Wie lange muss ich mit einer Lochkamera belichten?
Heller Sonnentag: 1–5 Sekunden mit ISO 100-Fotopapier. Bedeckter Tag: 10–60 Sekunden. Innenraum mit Fensterlicht: 2–10 Minuten. Trial-and-Error: erstes Testbild 30 Sekunden, dann anpassen. Lichtempfindlicheres Papier verkürzt Zeit.
Wie entwickle ich Fotos aus der Lochkamera?
Entwickler (Rodinal 1:50): 60–120 Sekunden schütteln. Stoppbad (Essigsäure 2%): 30 Sekunden. Fixierer (Natriumthiosulfat): 3–5 Minuten. Wässern: 10 Minuten unter fließendem Wasser. Im Dunkelkammer-Rotlicht arbeiten.
Was kostet eine Lochkamera Eigenbau?
Schachtel: 0 € (Cornflakes-Schachtel). Fotopapier (25 Blatt): 5–15 €. Chemikalien-Set: 15–30 €. Alufolie: 0 €. Gesamt: 20–45 €. Kaufkameras für Einsteiger: 30–80 €. Mehrwert: tiefes Verständnis von Fotooptik und -chemie.